Saisonabschluss-Interview mit Lukas Grünhaupt

Lukas Grünhaupt, auf dem Feld Teamkapitän und Inside-Linebacker der Mannschaft, ist seit der Gründung der KIT SC Engineers vor zwei Jahren der sportliche Leiter der Abteilung. Unter seiner Federführung haben sowohl die Herren- als auch die Jugendmannschaften in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich am Spielbetrieb teilgenommen. Nach einer langen und anstrengenden Saison blickt er nun auf den sportlichen Erfolg, die charakterliche Entwicklung der Mannschaft, und den Weg der noch vor ihr liegt.

Der letzte Spieltag liegt inzwischen 4 Wochen zurück. Mit der entsprechenden Distanz zu all dem, was in der vergangenen Saison passiert ist, wie lautet dein Fazit zur zweiten Spielzeit der Engineers im Ligabetrieb?

Mein Fazit fällt sehr positiv aus. Ich denke wir konnten uns in fast allen Bereichen weiterentwickeln. Nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch haben wir einen Schritt nach vorne machen können.

Das Herrenteam hat das vor der Saison gesteckte Ziel – Meisterschaft und Aufstieg in die Oberliga – erreicht und dabei überwiegend dominant gespielt. Da kann man eigentlich nur zufrieden sein.
Auch unser Jugendteam konnte am Spielbetrieb teilnehmen, das alleine war schon ein Erfolg für uns. Dann auch noch die Saison auf dem zweiten Platz abzuschließen freut mich umso mehr.

Alles in allem bin ich mit dem Verlauf der Saison und der Weiterentwicklung unseres Programms rundum zufrieden.

Die Ziele und Erwartungen waren vor der Saison sehr hoch gesteckt, konnten von der Mannschaft aber auch über weite Strecken der Saison vollständig erfüllt werden. Hattest du mit einer derart überzeugenden Leistung des Teams gerechnet?

Kurz gesagt: Nein. Wir wussten vor der Saison schon um unsere Stärke und haben auch mit entsprechendem Selbstbewusstsein unsere Saisonziel gesteckt.
Im Wintertraining und auch in den Phasen der Saisonvorbereitung kurz vor der Saison haben wir konzentriert trainieren können und das hat sich schlussendlich ausgezahlt.
Mit solch einer Leistung habe ich aber trotz allem nicht gerechnet.

In welchen Bereichen hast du im vergangenen Jahr die größte Entwicklung gesehen, die die Mannschaft auf sportlicher, aber vielleicht auch auf charakterlicher Ebene gemacht hat?

Da wir auch letzte Saison sowohl in der Offensive als auch Defensive wieder das gleiche System gespielt haben, waren wir da schon ein gutes Stück sattelfester. Wir konnten mehr an Feinheiten und Abstimmung arbeiten, das hat man dann auch deutlich auf dem Feld gemerkt.

Charakterlich gab es eigentlich zwei enorm wichtige Momente diese Saison. Der erste war das durchaus knappe Spiel in Kornwestheim. Hier gingen wir zum ersten Mal mit einem Rückstand in die Pause und haben uns dann in einem harten Kampf schlussendlich den Sieg geholt. Das war im Sinne der Entwicklung der Mannschaft aus meiner Sicht gut, man bekommt keine Siege geschenkt und muss sich jeden Sieg erarbeiten und sich jede Woche konzentriert vorbereiten. Ich denke diese Einstellung haben wir da ein Stück weit aus dem Spiel mitgenommen.
Der zweite war dann das vorletzte Saisonspiel gegen die Hammers, das wir verloren haben und dann insbesondere die folgende  Trainingswoche.

Speziell die von dir angeführte Defensive zeigte einige fantastische Spiele und kassierte in den 12 Saisonspielen weniger als 7 Punkte pro Spiel. Was waren für dich die Schlüsselfaktoren zu diesem Erfolg?

Zunächst einmalmal gehört hier eine gehörige Portion Anerkennung Falco Böllhoff, der vor zwei Jahren zusammen mit Felix Bleimund unser Defensive-Playbook aufgebaut und seitdem immer wieder weiterentwickelt hat.
Darin liegt auch einer der wesentlichen Punkte, wir spielen seit zwei Jahren jetzt das gleiche System, haben dadurch einen Großteil auch schon sehr gut verinnerlicht und können am Zusammenspiel arbeiten.
Außerdem haben wir einige starke Spieler dabei, im Defensive Backfield angefangen über die Linebacker bis ganz vorne zur Defensive Line. Wir verfügen in allen Units über nicht nur talentierte, sondern vor allem auch engagierte Spieler, die wirklich viel ihrer Freizeit in das Training investieren.
Der größte Faktor  ist aber aus meiner Sicht der, dass wir jede Woche eine starke und variable Offense im Training sehen und Training für Training mit den Jungs competen und uns gegenseitig anstacheln können.

In der Liga wurden die Engineers am letzten Spieltag vor eine echte Charakterprobe gestellt, nachdem man das Hinspiel gegen die Neckar Hammers verloren hatte und Aufstieg und Meisterschaft auf dem Spiel standen. Was waren deine Eindrücke aus der Woche vor dem Spiel, was ging in der Mannschaft vor?

Um ehrlich zu sein, war ich nach der Niederlage am vorletzten Spieltag sehr angespannt. Wir hatten in den Wochen davor nicht besonders gut trainiert und einige Leute waren nicht nur im Kopf, sondern auch physisch schon im Urlaub.
Vor dem ersten Training in der - sozusagen - entscheidenden Woche, war ich dann noch etwas nervöser, wie viele Leute im Training auftauchen würden.
Das Team hat mich da tatsächlich begeistert, wir hatten wieder eine klasse Trainingsbeteiligung und man hat allen angemerkt, dass sie von der Niederlage angefressen waren. Alle Spieler haben da im Training nochmal eine Schippe draufgelegt und wir haben unheimlich intensiv und mit hohem Tempo trainieren können. Auch am Spieltag selbst war die Konzentration und Intensität bei jedem einzelnen voll da. Da haben wir als Mannschaft wirklich noch einmal gezeigt, dass wir uns die Meisterschaft holen wollen.
Dass wir am letzten Spieltag nach so einer langen Saison mit 12 regulären Spielen plus Vorbereitungsspiel und Hochschulbowl noch in der Lage waren, so eine Trainingswoche und dann so ein überzeugendes Spiel abzuliefern, das zeigt einfach den Charakter der Mannschaft.

Auch die Jugendabteilung hatte ein sehr aufregendes Jahr, die U19-Junioren konnten in der Landesliga Baden-Württemberg den zweiten Platz belegen. Hattest du vor der Saison Bedenken, ob die Mannschaft den Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen können würde?

Absolut, wir hatten ja letztes Jahr schon mit einem sehr kleinen Kader zu kämpfen und bis Februar sah es sehr eng aus ob wir überhaupt am Spielbetrieb teilnehmen können.
Nach einem erfolgreichen Probetraining haben wir dann doch in der Landesliga, also eine Liga tiefer als letztes Jahr, gemeldet und wurden von unserem Nachwuchsteam nicht im Mindesten enttäuscht.
Die U19 hat klasse Spiele abgeliefert und schlussendlich Zweiter zu werden hätte ich vor der Saison so nicht erwartet.

Wir können zu Recht stolz auf unser Jugendteam sein. Als Herrenspieler freue ich mich auch schon darauf, von den immerhin 12 altersbedingten Abgängen aus der Jugend einige im Herrenteam begrüßen zu können. Die Jungs werden dem ein oder anderen etablierten Herrenspieler sicherlich Probleme bereiten.

Was sind die Ziele für die nächste Saison – für den Verein, für die einzelnen Mannschaften, aber auch deine persönlichen?

Ziele für die Mannschaft so kurz nach der Saison zu definieren ist schwierig, wir sind jetzt mit den Herren in der Oberliga angekommen und wollen uns da natürlich etablieren. Ich hoffe wir können das ein oder andere Team ärgern und haben am Schluss nichts mit dem Abstieg zu tun.

Im Allgemeinen bestehen die Ziele in der Weiterentwicklung des Programms. Konkret sind das Dinge wie die Verbesserung der Trainingsbedingungen, neue qualifizierte Trainer zu bekommen und hoffentlich auch weitere leistungsorientierte Spieler anzuziehen. Aber auch Dinge wie unserer Heimspieltag und da z.B. mehr Zuschauer zu gewinnen sind Ziele für den Verein, an denen wir jetzt in der Offseason wieder vermehrt arbeiten werden.

 Persönlich will ich, wie jedes Jahr, ein besserer Spieler als das Jahr vorher werden und meinen Teil zum Erfolg der Mannschaft beitragen. Mit dieser Truppe an Leuten zusammenzuspielen ist einfach klasse, nicht nur auf dem Feld, wo wir mit viel Engagement dabei sind, sondern auch neben dem Feld bin ich froh, Teil der Engineers zu sein.