Peter Schreiner von den Rugby Rebels Karlsruhe im Interview

In unserem Interview möchten wir uns nun Peter Schreiner zuwenden. Peter Schreiner kann getrost, als Veterane des Rollstuhlrugbys in Deutschland bezeichnet werden. Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene konnte Peter bereits zahlreiche Erfolge aufweisen. So stehen neben dem Triumph bei der Badischen Meisterschaft, der deutschen Meisterschaft, der Champions-League auch Teilnahmen bei Welt- und Europameisterschaften sowie den Paralympics zu buche. Insgesamt konnte der für die Rugby Rebels spielende Schreiner bereits mehr als 30 Titel gewinnen und wurde mehrfach zum wichtigsten Spieler des Turniers gewählt.

Seit wann sitzt du im Rollstuhl? Seit April 1988. Damals saß ich in einem Auto als Beifahrer und es kam zu einem Unfall. Das Auto überschlug sich. Wäre ich nicht angeschnallt gewesen, wäre ich höchstwahrscheinlich gestorben.

Was ging dir danach durch den Kopf? Am Anfang dachte ich, ich könnte nie mehr Sport machen und auch Frauen würden sich für mich nicht mehr Interessieren. Jedoch bekam ich eine gewisse mentale Stärke, durch die ich mein Abitur durchgezogen habe und mich nicht hängen ließ.

Konnten Freunde damals helfen? Eher weniger.

Wie kamst du zum Rollstuhlrugby? Ein Klassenkamerad sprach mich 1992 an, ob ich Interesse hätte beim Training vorbei zuschauen. Nach dem ich einige Mal mit trainiert habe, wusste ich, das ist mein Sport.

Erzähl und ein bisschen über diesen Sport in Deutschland und Europa. In den 70ern wurde in Kanada erstmals Rollstuhlrugby gespielt. 1992 wurde eine englische Mannschaft nach Deutschland eingeladen. Durch diese kam der Sport nach Deutschland. Bereits zwei Jahre später nahm die deutsche Nationalmannschaft bei den „Stoke Mandeville Games“ in England teil. 1995 war Deutschland auch bei der ersten Europameisterschaft aktiv. 

Wie laufen die Trainingseinheiten ab? Wie oft trainiert ihr? Wir trainieren zwei Mal die Woche mit der Mannschaft. Zudem werden drei private Trainingseinheiten durchgeführt.

Wie hart ist der Sport? In welcher weiße körperlich betont? Der Sport ist extrem anstregend. In seiner Anfangszeit bekam er den Spitznamen „Mörderball“. Dieser Name kommt auch zurecht, dass die Sportler dauerhaft physisch und körperlich beansprucht werden. An einem Wochenende finden häufig bis zu sechs Spiele statt. Dies ähnelt einem Marathon oder Zehnkampf.

Wie groß sind die Teams? Wird nach Behinderungen unterteilt? Insgesamt stehen vier Spieler auf dem Platz, je Team. Der Kader umfasst meist bis zu 12 Sportler.  Mitspielen darf jeder, der an mindestens drei Gliedmaßen Beeinträchtigungen hat. Je nach Schwere der Behinderung findet eine Klassifizierung in unterschiedliche Punkte statt. Bei Turnieren darf dann diese Punkteskala nicht über überschritten werden um für Chancengleichheit zu sorgen.

Ihr spielt ja in der Champions-League. Wie ist das finanziell möglich? Gibt es Sponsoren oder muss häufig der eigene Geldbeutel herhalten? Sponsoren sind rar das meiste muss selbst finanziell geleistet werden. Deshalb sind wir über jeden Sponsor oder Spender glücklich.

In Deutschland gibt es leider viele Menschen die keinen Sport betreiben. Denkst du, dass Sport gerade bei Menschen mit Handicap befreiend wirkt? Natürlich. Sport wirkt befreiend, stärkt die Psyche, fördert die Lebenslust und stärkt das Gefühl zur Gesellschaft zu gehören.

Was willst du noch erreichen? Teilnahme an den Paralympics in London 2012. Anschließend möchte ich mit dem Leistungssport aufhören.

Glaubst du, dass Behindertensport in Deutschland zu wenig Aufmerksamkeit bekommt? Ja, alle Zuschauer die uns in Karlsruhe bei der Champions League gesehen haben sind hell auf begeistert von diesem unglaublichen Sport. Die die Rugby nie gesehen haben tun mir ein wenig Leid, da ich immer wieder sehe wie begeistert die Leute am Spielfeldrand mit fiebern.

 

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