Interview mit Jan Fitschen

Jan Fitschen ist 28-facher Deutscher Meister im Langstreckenlauf von 3.000m bis hin zum Halbmaraton. Spätestens seit seinem Sieg bei den Europameisterschaften 2006 über 10.000m genießt er eine riesige Popularität in der deutschen Laufszene. Vor wenigen Wochen hat Fitschen sein Buch "Wunderläuferland Kenia" auf den Markt gebracht. Im Rahmen der Buchvorstellung auf unserer Seite, hat sich Jan Fitschen auch die Zeit für ein Interview mit der Pfoka-Redaktion genommen.

Herr Fitschen. Wie kamen Sie zum Laufsport?

Ich habe mich als Schüler in vielen Sportarten ausprobiert: Fußball, Basketball, Badminton usw. Letztlich kam ich über die Bundesjungendspiele dann zur Leichtathletik und damit schnell zum Laufsport.

Und was fasziniert Sie so sehr daran?

Dass das Laufen eigentlich etwas unglaublich simples und Grundlegendes ist, es aber dennoch die ganze Aufmerksamkeit und viel, viel Erfahrung braucht, um richtig gut zu werden. Außerdem trifft man überall Läufer und kann dann gemeinsam prima über dieses Hobby reden.

2006 konnten Sie über die 10.000 Meter-Distanz Gold bei der Europameisterschaft gewinnen. Was hat sich damals in Ihrem Leben verändert und wie kam es zum Wechsel auf die Marathondistanz?

Nach dem Rennen konnte ich plötzlich vom Sport leben. Ich war bekannt und wurde zu vielen Veranstaltungen eingeladen. Noch heute profitiere ich sehr von diesem Rennen und konnte damit mein Hobby zum Beruf machen. Der Wechsel zum Marathon war ein logischer Schritt. Diese Strecke fasziniert jeden Läufer. Ich habe schon früher zigmal bei Marathons an der Strecke gestanden und angefeuert. Dann hatte ich das große Glück, auch selber die 42,195km erfolgreich in Angriff zu nehmen.

Können Sie uns einen Einblick in eine „normale Woche“ zu einer Marathonvorbereitung geben?

Schlafen, essen, trainieren, essen, schlafen, trainieren, essen schlafen ;-) 220-230 Laufkilometer, 12-13 Einheiten pro Woche, Dauerläufe von 10-45km, und pro Woche dabei maximal 3 harte Belastungen.

In Ihrem aktuellen Buch "Wunderläuferland Kenia"wird auch über die Ernährung der kenianischen Läufer berichtet. Dabei wird beschrieben, dass die Versuchungen nicht so groß sind, wie wir es aus Deutschland kennen. Tatsächlich gibt es in deutschen Supermärkten viele unnütze und ungesunde Produkte zu kaufen. Welche Ratschläge können Sie ambitionierten Sportlern geben und was ist ein absolutes „No-Go“?

 

Theoretisch müsste man auf alles verzichten, was Zucker enthält. Das ist mir jedoch auch selber nie gelungen. Ich liebe einfach Schokolade. Trotzdem sollte man darauf achten, möglich wenig Zucker, auch z.B. in stark gesüßten Joghurts zu sich zu nehmen. Viel Eiweiß hat mir stets geholfen, mich besser zu erholen. Am besten für den Start in den Tag ist natürlich ein gutes Läufermüsli ;-) http://www.läufermüsli.de/

 

Die Breitensportveranstaltungen im Laufsport in Deutschland haben in den vergangenen Jahren einen enormen Zuwachs an Teilnehmern zu verzeichnen. Allerdings ist es schwierig in Deutschland tatsächlich vom Laufsport zu leben. Wie sehen Sie diese Entwicklung und denken Sie, dass die Leistungen der Leichtathleten insbesondere der Läufer zu wenig geschätzt werden?

Natürlich ist es erstaunlich, dass viele Millionen Deutsche selber regelmäßig laufen und dennoch fast keine Laufwettbewerbe z.B. im TV übertragen werden. Man muss sich als Top-Läufer schon selber sehr viel einfallen lassen, um die eigene Vermarktung voran zu treiben, was wiederrum manchmal auf Kosten der Leistung geht. Das finde ich sehr, sehr schade.

 

Leider haben Sie seit drei Jahren mit Verletzungen zu kämpfen und Gedanken an ein Karriereende tauchten auf. In einem Interview mit der WAZ haben Sie geantwortet, dass Sie eine Operation im Juni dieses Jahres noch abwarten wollen um zu sehen, ob das Feuer noch in Ihnen brennt. Welche Entwicklungen gibt es seit Juni?

Die zweite OP ist auf jeden Fall deutlich besser gelaufen als die erste, doch richtig trainieren kann ich noch immer nicht wieder. Mehr dazu werde ich auf einer Pressekonferenz am 21.10. in Wattenscheid bekannt geben. Dem Laufsport werde ich aber immer treu bleiben, zumal ich mit dem Buch, den Events zum Buch, der Reise zum Buch und meinem neuen Job bei Nike mehr denn je mit dem Laufen verbunden bin.

 

Zum Schluss. Welche Tipps können Sie an Laufsportler weitegeben?

Habt Spaß, denkt wenn ihr mal keine Lust habt immer daran, wie schön es ist, ohne Verletzung laufen zu können, klopft euch selber anerkennend auf die Schulter, wenn ihr euch auch bei Sauwetter mal wieder zum Training aufgerafft habt und wenn es irgendwie geht, lauft mir Freunden und helft euch gegenseitig. Und zu guter Letzt natürlich: Lest "Wunderläuferland Kenia". Es wird euch zum Lachen bringen :-)