Es geht nicht nur um das Indoor Meeting …

Karlsruhe. (ver) - Ende März hat der Karlsruher Gemeinderat die Zukunft des Indoor Meetings wegen der hohen Kosten in Frage gestellt. Viele Gemeinderatsmitglieder wollen offenbar das durch den Ausfall der Europahalle zwangsläufig deutlich gestiegene Budget der Veranstaltung nicht mehr bewilligen. Da wir als Leichtathletik-Gemeinschaft Region Karlsruhe (LGR) von dem Thema unmittelbar berührt sind, wollen wir im Folgenden aus unserem spezifischen Blickwinkel einige Gedanken zur Diskussion um das Meeting beitragen:

Sicherlich sind die finanziellen Aufwendungen für den Leichtathletik-Event seit der Schließung der den Brandschutzauflagen nicht mehr genügenden Europahalle enorm angestiegen. Der aufwändige Aufbau in der Messehalle fordert leider seinen Tribut – Einsparungen werden auch auf Dauer nur begrenzt möglich sein. Aber soll die sicherlich nicht von der Karlsruher Sportgemeinde zu verantwortende Schließung der Europahalle nun zugleich das abrupte Ende einer langen Tradition bedeuten? Sollen Weltstars und Weltrekorde künftig andernorts gefeiert werden? Sicherlich nicht! Schließlich ist die Spitzensportveranstaltung, die durch die Aufnahme in die World Indoor Tour zuletzt sogar noch aufgewertet worden ist, schon deshalb erhaltenswert, weil sie jährlich die nationale und internationale Leichtathletikelite in Karlsruhe versammelt. Von dem sportlichen Highlight mit internationaler Strahlkraft, das im Übrigen bereits mehrfach durch die Veranstaltung von Deutschen Meisterschaften ergänzt wurde und auch künftig ergänzt werden könnte, profitiert das Renommee Karlsruhes im In- und Ausland gewaltig. Auch können sich regionale Top-Athleten – nicht zuletzt der LGR – vor großem Publikum mit den Top-Stars der Szene messen und die Karlsruher Leichtathletik angemessen präsentieren. Solcherlei Implikationen für die Außenwirkung der Stadt hat Martin Wacker, der Geschäftsführer der das Meeting durchführenden KEG, in einem Interview mit baden.tv deutlich herausgearbeitet. (http://www.baden-tv.com/mediathek/video/wir-kaempfen-fuer-den-standort-karlsruhe/)

Doch jenseits der bereits für sich genommen einleuchtenden Marketing-Argumente spielen aus LGR-Perspektive einige zusätzliche Facetten der „Meetingfrage“ eine mindestens genauso wichtige Rolle. Schließlich hängt an der aufwendigen Arenaherstellung nicht nur die Durchführung des Indoor Meetings, sondern auch das Überleben vieler, vermeintlich kleiner Leichtathletik-Veranstaltungen. Die mehrere Wochen installierte Anlage wird nämlich – wie vorher die ursprünglich u.a. zu diesem Zweck gebaute Europahalle – intensiv für den regionalen und lokalen Leichtathletiksport genutzt. Badische, Baden-Württembergische oder ggf. Süddeutsche Meisterschaften haben schon zu Europahallenzeiten und auch später in der Messearena regelmäßig stattgefunden. Dies auch in Zukunft für den breiteren Leichtathletik-Nachwuchs zu ermöglichen, ist nicht nur ein wichtiges Anliegen des Verbandes, sondern auch der quasi gastgebenden LGR. Immerhin hatten und haben bisher hunderte von Karlsruher (und natürlich badischen) Leichtathleten die Gelegenheit, vor Ort ihre Kräfte zu messen und evtl. die Grundlage für Größeres zu legen. Alternative Möglichkeiten gibt es – abgesehen von der nicht zuschauertauglichen Mannheimer Trainingsstätte – in der gesamten badischen, pfälzischen und elsässischen Umgebung nicht, was auch erklärt, weshalb das ebenfalls im „Arenazeitraum“ unter Federführung der LGR durchgeführte „Stadtwerke-Jugendmeeting“ von Athleten aus dem gesamten Pamina-Raum besucht wird.

Was aus Sicht der LGR aber noch schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass die seit fast 30 Jahren in Zusammenarbeit mit der Jugendstiftung der Sparkasse Karlsruhe Ettlingen durchgeführten Schüler-Leichtathletik-Meisterschaften mit dem Wegfall der Europahalle ja ebenfalls in der Messearena stattfinden müssen. Dieser Event, an dem regelmäßig mehr als 70 Karlsruher Schulen mit bis zu 1.200 Schülerinnen und Schülern beteiligt sind, ist das wichtigste Talentsichtungsereignis der LGR, aber vor allem das zentrale Leichtathletikabenteuer ganzer Kindergenerationen aus den Lehranstalten des Stadtkreises. Immerhin ist das Erlebnis, abseits des dominanten Fußballs in einer großen Arena Sport betreiben zu dürfen, durch nichts zu ersetzen. Nicht wenige aktuelle Karlsruher Topathlet/innen sind schon vor fast einem Jahrzehnt genau bei dieser Veranstaltung „entdeckt“ und anschließend von der LGR gefördert worden; vielen anderen wurde so überhaupt erst die olympische Kernsportart Nummer 1 näher gebracht!

Inzwischen sollte es eigentlich deutlich geworden sein: bei unserem Wunsch nach Erhalt des Meetings geht es mitnichten nur um die Verteidigung eines mit viel Herzblut und tausenden Ehrenamtsstunden gestemmten Spitzensportevents, sondern vor allem auch um die Bewahrung der traditionellen städtischen Leichtathletikkultur, vom jüngsten Nachwuchs bis hin zum Karlsruher Bundeskaderathleten. Wer „ja“ zur Streichung der Gelder für das Indoor Meeting sagt, der erweist nicht nur dem Ansehen der Stadt einen Bärendienst, sondern er nimmt damit eben auch das Sterben verschiedener regionaler Hallenwettkämpfe in Kauf, die für den Leichtathletikstandort Karlsruhe von ganz besonderer Bedeutung sind.

Der Vorstand der LG Region Karlsruhe

 

 

 

Mit freundlicher Genehmigung von Frank Gausmann