Ein Kommentar zum Sieg von Vince Feigenbutz

Vincent Feigenbutz ist am vergangenen Samstag gerade noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Mit Sicherheit hatte sich der „Ko-Prinz“ die Aufgabe gegen Giovanni de Carolis einfacher vorgestellt. Der Italiener ging beherzt in den Kampf und hatte Feigenbutz mehrmals am Rande einer Niederlage. Am Ende siegte Feigenbutz knapp nach Punkten. Erstmals in seiner Karriere musste der Karlsruher über zwölf Runden gehen.

In den sozialen Netzwerken wurde direkt nach dem Kampf und am Tag nach dem Kampf heftig debattiert. Hierbei reichten die Kommentare von „Fehlurteil“ bis hin zu „Skandal“. Mit Sicherheit lässt sich über dieses Urteil diskutieren. Dennoch wäre es falsch nun von allen Seiten auf Feigenbutz einzuhauen. Seine Wortwahl kurz nach Kampfende war mit Sicherheit diskussionswürdig. Allerdings sollte bedacht werden, dass dieses Interview nur wenige Minuten nach dem Kampf stattfand. Mit Sicherheit war der Adrenalinspiegel von Feigenbutz noch am Anschlag. Es sollte kein Geheimnis sein, dass Sportler nach dem Wettkampf voller Emotionen sind. Von Feigenbutz zu verlangen, dass er mit seinen 20 Jahren ein PR-Profi ist, welcher mediengetreue Antworten liefert wäre falsch. Im Fußball werden die Spieler bereits früh geschult. Aussetzer, wie bei Rudi Völler oder Per Mertesacker sind äußerst selten. Auf der einen Seite wird von den Sportlern Authentizität verlangt. Werden die Worte dann aber zu emotional gewählt, dann wird sofort auf fragwürdige Manieren verwiesen. Es lässt sich durchaus über die Wortwahl von Feigenbutz streiten, dennoch ist es äußerst schade, dass vor allem in Deutschland immer ein medienkonformes Verhalten verlangt wird. Tanzt man aus der Reihe, dann wird man vom großen Helden recht schnell zum Buhmann. Natürlich hat Feigenbutz die Leistung von de Carolis anerkannt. Bereits im Ring sprach er in seiner zweiten Aussage, dass der Italiener der beste Gegner bisher für ihn war. Auch die Entschuldigung bei der Pressekonferenz zeugt von Stärke. Ihn dennoch als „Verlierer“ des Abends zu sehen wäre nicht gerecht. Genauso falsch wäre es von ihm Wunderdinge zu erwarten. Mit seinen 20 Jahren kann er nicht jeden Gegner nach Belieben dominieren und KO schlagen.

Den knappen Punktsieg gegen de Carolis sollte er als Dämpfer zur richtigen Zeit bewerten. Feigenbutz ist sicherlich ein großes Boxtalent in Deutschland. Er wird sich seine Fehler gegen de Carolis eingestehen und wird weiterhin hart an sich arbeiten. Vor April wird Feigenbutz seine Chancen auf den Weltmeistertitel bekommen. Dort kann Feigenbutz sein wahres Talent zeigen. Doch selbst eine Niederlage im WM-Kampf sollte nicht die ganze Karriere von Feigenbutz in Frage stellen. Vielmehr sollte man froh darüber sein, einen Sportler in Deutschland zu haben, welcher überhaupt um den WM-Titel boxen darf.