Amateursportler im Interview: Radsportler Roland Golderer

Der 32-jährige Roland Golderer hat sich durch Teilnahmen bei Mountainbike Welt- und Europameisterschaften einen Namen gemacht. Im Rad-Cross fährt der Pforzheimer im Winter regelmäßig unter die Top 10 und auch auf der Straße ist Golderer für gute Platzierungen bekannt. Roland Golderer ist beim RSV Schwalbe Ellmendingen aktiv und fährt im Mountainbike-Bereich derzeit für das TEXPA-Simplon-Team. Nach seiner Studienzeit hat Golderer eine Ausbildung abgeschlossen und arbeitet seitdem bei Cylce Sport in Remchingen. Neben dem Sport genießt er die gemeinsame Zeit mit seiner Freundin und Freunden.

In welchem Alter und wie kamst du zum Radsport?

Wirklich ernsthaft Rennen mit Lizenz fuhr ich ab dem Alter von 16 Jahren. Zwei, drei Jahre davor fuhr ich regelmäßig MTB Hobbyrennen, zu denen ich über einen ersten Sponsor, den Besitzer eines Radladens, kam.

Was bedeutet dieser Sport für dich ?

Dieser Sport erfordert viel Einsatz an Zeit und Energie, wofür man aber immer draußen an der frischen Luft sein kann und immer wieder erleben kann mit wie wenig an Krafteinsatz man so große Distanzen überwinden kann. Mit dem Rad kann man sich im Training extrem flexibel und frei bewegen und natürlich dann im Wettkampf einen fairen Sieger ermitteln.

Wie gestaltest du dein Training? Wie oft die Woche? Auf wie viele Kilometer kommst du im Jahr (Training+Rennen)?

In der Regel trainiere ich jeden Tag ein bis zwei Einheiten, natürlich mit unterschiedlichen Intensitäten, teilweise auch mit Lauf-/ Krafttrainingseinheiten. Im Jahr kommen so 20.000 bis 30.000 Kilometer zusammen.

Du bist sowohl auf dem MTB, dem Crosser als auch dem Straßenrennrad unterwegs. Damit fährst du auch das ganze Jahr über Rennen. Ist diese Belastung nicht zu groß?

Nicht jedes Jahr fahre ich komplette Saisons in den unterschiedlichen Disziplinen. Wichtig ist mir der Wechsel, damit ich Abwechslung habe und somit auch dem Körper unterschiedliche Belastungen anbiete, damit er nicht nur ein Belastungsmodell kennen lernt und sich schneller auf unterschiedliche Anforderungen einstellen kann. Außerdem nimmt man auch die Umwelt je nach Sportgerät immer wieder unterschiedlich wahr: es macht schon einen Unterschied ob man den Tag über auf der Straße oder dem MTB unterwegs ist.

Was sind für dich die Unterschiede zwischen Querfeldein und Straßenradsport? Brauchst du die Abwechslung?

Der Querfeldeinsport ist natürlich der ehrlichere Sport, da hier mehr die individuelle konditionelle und technische Stärke zählt, im Vergleich zur Straße, wo Teamtaktik eine größere Rolle spielt. Persönlich fasziniert mich am Straßenradsport natürlich auch die Geschwindigkeit mit der eine bestimmte Strecke zurückgelegt werden kann.

Was sind deine bisher größten Erfolge?

Wichtig waren für mich immer die WM und EM Teilnahmen im MTB, ebenso wie die Top Ten Platzierungen bei Deutschen Meisterschaften, wie zum Beispiel der 6. und 5. Platz bei der U23 DM 1998 und 1999 oder der 6. Platz bei der MTB Marathon DM Elite 2008. Schön war auch Platz 2 bei der Trans Germany 2008. Sowie der ein oder andere Sieg auf der Straße.

Könntest du dir vorstellen beispielsweise einen Marathon wie Paris-Brest-Paris oder Trondheim-Oslo zu fahren?

Im Moment nicht, da mir das einfach zu lang und damit evt. etwas zu eintönig wird, da unter so einer langen Fahrt ja zwangsläufig die Geschwindigkeit leiden muss.

Was war dein bisher schönster Moment deiner Karriere? Und was war dein schmerzhaftester?

Der schönste oder einer der schönste Moment war vielleicht der Gewinn der ersten Etappe zusammen mit meinem Partner Lukas Gerum bei der Trans Germany 2008. Schwierig war in diesem Jahr ein Knöchelbruch, der die Saisonplanung etwas durcheinander gebracht hat.

Was ist deine Motivation schon so viele Jahre auf Rad zu steigen?

Ich muss mich auch nach circa 18 Jahren nicht großartig motivieren um auf das Rad zu steigen – im Gegenteil: wahrscheinlich ist das inzwischen schon ein Grundbedürfnis von mir, da auch das Wetter keine besonders große Rolle spielt.

Hast du Vorbilder? Mit welchem Radprofi würdest du gerne in einem Team fahren?

Als ich mit dem Radsport anfing hatte ich wohl eher mehr Vorbilder als heute: Miguel Indurain, Tony Rominger oder Thomas Frischknecht waren welche. Es gab einige interessante Fahrer. Heute versuche ich einfach meine eigenen Rennen zu fahren und Profis spielen nicht eine so große Rolle.

Was willst du am Ende deiner aktiven Radkarriere von dir behaupten können?

Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber ich kann jetzt schon behaupten immer schon viel Energie und Zeit auf ehrliche Art investiert zu haben. Vielleicht ist das unter dem Aspekt des Leistungsgedankens ein wenig naiv gedacht, aber dabei habe ich eben ein gutes Gefühl und reines Gewissen.

Das Interview führte Stefan Meister. Mit freundlicher Genehmigung von Roland Golderer - RSV Schwalbe Ellmendingen