Amateursportler im Interview: Radsportler Bernd Hornetz vom RSV Concordia Forchheim

Bernd Hornetz

Der Karlsruher Radsportler Bernd Hornetz (Jahrgang 1968) gehört seit Jahren zu den Spitzenfahrern der Radmarathonszene im deutschsprachigen Raum. Zu seinen bisherigen Erfolgen gehören Topergebnisse beim Ötztaler Radmarathon, der Jeantex Tour Transalp, sowie anderen Nationalen und Internationalen Radsportveranstaltungen. Die für den Forchheimer Radsportverein startende Bergziege stellte sich freundlicher Weise für unsere Interviewreihe "Amateursportler im Interview" zur Verfügung.

Straßenradsport ist kein ungefährlicher Sport. Was ist das Faszinierende für dich daran und wie kamst du zu diesem Sport?

Die Faszination hatte viele Gründe, eben darum ist es eine. Mir wichtig sind z.B. Naturerlebnis, Gemeinschaft, Tempo, Ziele definieren und erreichen, Grenzen ausloten.
Dazu gekommen bin ich ziemlich spät mit 32 Lenzen. Ich blicke auf eine vom Fußball geprägte Jugendzeit. Mit Hinblick auf's Abitur habe ich das eingestellt und mich während des Studium sehr sporadisch mit Jogging und Bergwandern über Wasser gehalten. Während der Diplomzeit erste zarte Anfänge beim Hin- und Rückweg Karlsruhe-Forschungszentrum. Mit Eintritt ins Arbeitsleben wieder davon abgekommen, bis mir im Jahr 2000 ein Bewegungsmangel bewusst wurde. Mit einem Mountenbike Abhilfe geschafft. 2001 im April mein erstes wettkampftaugliches Rennrad gekauft. Damit bei einer Ausfahrt auf Moritz Kruse, einen noch jungen, aber damals schon emeritierten MTB-Profi getroffen. Da war ich an den richtigen geraten, um mit unglaublich heftigen Trainigseinheiten, rasch in die Spur zu finden. Noch im gleichen Jahr als noch Ahnungsloser beim Ötztaler teilgenommen und in einem chaotischen Rennen trotz Verpflegungsstopps und harmlosen Sturz schon unter der 8 Std. Marke geblieben. Seitdem bin ich entflammt für den Radsport. Das ist jetzt alles sehr grob gesprochen, ich habe ich als Fernsehzuschauer schon immer dem Radsport zugetan gefühlt, jedoch lange ohne daran zu denken, ihn selber auszuüben. Ich denke da an Fernsehnachmittage noch in den 70igern noch mit Eddi Merckx, Gregor Braun, Klaus Peter Thaler, etc.

Was war über die Jahre dein schönstes Rennen und dein größter Erfolg?

Das ist nicht leicht zu beantworten, es gibt so viele Events unterschiedlichsten Charakters. Noch ziemlich frisch ist der Eindruck von unserer Premiere bei der Jeantex TourTransalp. Dort mit Erwin Hickl als Partner und weiteren Teams unserer Forchheimer Mannschaft am Start. Ein tolles Erlebnis, eine ganze Woche Rennfieber, Teamgeist, etc. bei einer exzellent organisierten Veranstaltung. Es sieht nach einer Wiederholung aus.
Natürlich denke ich dabei auch an den Ötztaler, bei dem ich seit 2001 mit Unterbrechungen teilnehme, seit 2006 in einem konkurrenzfähigen Team aus Vereinsmitgliedern und befreundeten Fahrern. Alles mit viel ehrenamtlichem Einsatz, fast ohne Sponsoring, geben zahllose Fahrer und Helfer Ihr Bestes. Trotz der tollen Erfolge alles "Hobby", viel Spaß und Herzblut. Ich freue mich jedes Jahr auf Wochenende in Sölden.

Wie fällt denn deine persönliche Saisonbilanz aus? Als Baden-Württembergischer Zeitfahrmeister, zweiten Plätzen bei Transalp und Alpenbrevet war diese doch ziemlich gut, oder?

Alpenbrevet habe ich in 2009 leider verpasst. Nach einem total verkorksten Winter, ungelogen 4 Monate kein Sport von November bis Februar, hätte ich nach Trainigsbeginn Anfang März nie und nimmer daran geglaubt. Hatte große Bedenken, mich in knapp 4 Monaten Trainingszeit für die Transalp in Schwung bringen zu können und meinem Partner Erwin schon prophezeit, mich über die Berge schieben zu müssen. Umso überraschender dann schon der Titel als Baden-Württembergischer Zeitfahrmeister Anfang Mai in Forst. Mein erster offizieller Titel. Bin immer noch der Meinung, dass er hauptsächlich an dem tollen Material lag, dass ich Dank Unterstützung von Radsport Kramer zur Verfügung hatte. Thomas Kramer hatte mir in Rekordzeit ein ausgeklügeltes Cervelo P3 hingestellt, auf dem man gar nicht anders kann, als schnell zu fahren.
Dann folgten 2 Wochen Training über Pfingsten am Mt. Ventoux. Mittendrin zwei 2.te Plätze bei sehr schönen Rennen um und über den Giganten. Darunter ein Bergrennen von Bedoin zum Gipfel, wo ich unter der für mich magischen Zeit von 1 Std 10 Min bleiben konnte.
Dann klappte es bei der Transalp aber immer noch besser als gedacht. Bis zur 5.ten Etappe lagen wir sogar auf Gesamtrang 2 und trugen das Leadertrikot der Masterklasse. Dann aber beide heftig erkältet konnten wir bei der Königsetappe nicht voll mithalten. Dennoch sehr glücklich über das Erreichte in Arco. Unsere gesamte Mannschaft hatte sich unglaublich gut geschlagen.
Danach war ich erst mal platt und die Formdelle konnte ich gerade noch zum Ötztaler ausgebügeln. Mit Platz 14 nicht ganz die Vorjahres-Top10-Platzierung erreicht, dennoch sehr zufrieden und glücklich über den 3.ten Teamerfolg in Serie.
Zum Saisonabschluss, dann noch mit Domnin Gelmedin in Eckwersheim und mit Erwin Hickl in Retschwiller, die beiden elsässischen Paarzeitfahren dominiert, das war dann bis Oktober eine Runde Sache, die schon wieder für 2010 motiviert.

Beim Ötztaler Radmarathon gewinnst du mit Forchheim regelmäßig die Teamwertung. Wie schafft man es gegen die Armada der Italiener (teilweise Ex-Profis) zu bestehen?

Wie das funktioniert, habe ich schon vorhin angedeutet. Viel Organisations- und Helferarbeit, um neben den Vereinsfahrern auch eine ganze Reihe befreundeter Spitzenfahrer in einem Team zusammenzuschließen. Ist natürlich nicht nur Arbeit sondern auch Spaß, im Vorfeld, nein über das ganze Jahr mit allen Kontakt zu halten, die man leider nicht beim Trainieren sehen kann. Die Trainingsumfänge sind natürlich beachtlich. Obwohl wir alle einem Vollzeitjob nachgehen, ist ein Jahrespensum von 15 bis 20 TKM keine Seltenheit. Obwohl man es schon lange ahnte, kommt man sich dennoch ziemlich veralbert vor, wenn man unlängst zur Kenntnis nehmen muss, dass der jüngste Seriensieger Emanuele Negrini wegen Dopingverstößen 2 Jahre gesperrt wurde. Immerhin distanzierte sich der Veranstalter und hat endlich Dopingproben in Aussicht gestellt.

Warum hast du dich eher auf die langen Distanzen wie Radmarathons spezialisiert und fährst nur wenig Lizenzrennen?

Wie jeder andere, der auf kurzen Distanzen zu langsam ist, weicht man auf längere Distanzen aus. Nein, mir bleibt neben der Arbeit hauptsächlich das Wochenende zum Trainieren. Also konzentriere ich mich auf weniger Renntage und kann an vielen Wochenenden trainieren, anstatt wegen anderthalb Stunden Kriteriumsraserei den halben Tag bei An-/Abreise im Auto zu sitzen. Ich fahre einfach gerne oft und ausgedehnt rad. Für mich ist das Training gleichzeitig Ausgleich und Entspannung.

Was ist in Deutschland und International dein Lieblingsrennen?

In Deutschland "Rund im Odenwald", eines der wenigen anspruchsvoll profilierten Straßenrennen für lizensierte Amateure. International tue ich jetzt bestimmt vielen anderen Veranstaltern aus Unkenntnis unrecht, wenn ich Ötztaler und TourTransalp sage. Möchte in jedem Fall noch "Les 3 Ballons" in den Vogesen nennen.

Hast du dir schon einmal überlegt bei Ultradistanzen wie 24h Rennen oder gar dem Race Across America zu starten?

So langsam bin ich nun auch wieder nicht. Abgesehen davon, gehe ich abends schon gerne nach einem tüchtigen Abendbrot in ein bequemes Bett. Nach ca. 8 Stunden fühle ich persönlich mich nicht mehr in der Lage, so schnell zu fahren, dass es mir wirklich noch Spaß macht. Vielleicht bin ich auch zu weich, gegen die dann auftretenden Schmerzen anzukämpfen. Alles Gründe, weshalb ich es noch nie probiert habe und daher auch kein wirklich qualifiziertes Urteil abgeben kann.

Was sind deine zukünftigen Ziele und Wünsche?

Eingeschränkt auf's Radfahren in 2010: Verteidigung Zeitfahrtitel, TourTransalp und Ötztaler als Saisonhöhepunkte. Natürlich noch bei einigen anderen Veranstaltungen und beim Training Spaß haben. Natürlich gesund bleiben.

Wie bekommst du denn das harte Training mit Familie und Arbeit unter einen Hut?

Ich habe das Glück, dass meine Frau die Radsportbegeisterung mit mir teilt. Sonst ginge das schwer, denn neben dem Job geht natürlich sehr viel Zeit am Wochenende und im Urlaub drauf.

Wie motiviert man sich dazu immer wieder aufs Rad zu steigen? Die langen Grundlageneinheiten im kalten Winter sind ja manchmal sehr öde.

Ich bin von unbändigem Bewegungsdrang erfüllt. Daher habe ich quasi immer Lust auf's Rad zu steigen, solange es nicht regnet. Wenn das einmal nicht mehr sein sollte, würde ich entsprechend reduzieren. Ich glaube, wenn man beginnt sich zu zwingen, ist es mit dem Spaß schnell dahin. Generell macht natürlich Training in der Gruppe mehr Spaß als alleine.

Hast du einen Trainer oder bist du Autodidakt? Und welche km Zahl kannst du am Saisonende von deinem Tacho ablesen?

Trainer habe ich keinen, aber man profitiert natürlich von vielen befreundeten Fahrern mit denen man sich austauscht. Ich habe noch nicht einmal einen Trainingsplan und empfinde mein Training eher als Ausfahrt, denn als vorausbestimmte Übung. Vieles geschieht aus dem Gefühl aus der Erfahrung heraus. Natürlich nicht komplett chaotisch, bin ich mir schon bewußt, jetzt könntest Du Mal etwas in Richtung Kraft, Frequenz, etc. arbeiten. das ist natürlich effektiver, als ahnungslos endlose Kilometer zu fressen.

Zum Schluss hast du die Möglichkeit für irgendetwas deiner Wahl Werbung zu machen oder ein beliebiges Statement abzugeben :) Bitte sehr:

Eigentlich möchte ich hier nur ganz allgemein für den Radsport Werbung machen und würde jedem halbwegs gesunden Menschen empfehlen, es einmal in irgend einer Form, ganz unabhängig vom Grad der Ambitionen, zu probieren. Dieser Sport kann einem soviel geben, ungeachtet des derzeit schlechten Images mit Hinblick auf das Dopingthema. Wenn Ihr Informationen/Unterstützung/Anschluss braucht, geht auf einen der vielen Radsportvereine zu. Ich kann in unserer Region mit gutem Gewissen den RSV Concordia Forchheim nennen.

Das Interview führte Johannes Kappler. Mit freundlicher Genehmigung von Bernd Hornetz - Concordia Forchheim (Foto: RSV Forchheim)