Amateursportler im Interview: Justin Konietzke (Nachwuchsbasketballer der EnBW Ludwigsburg)

Justin Konietzke

Der Sternenfelser Basketballer Justin Konietzke (16) gehört zu den vielversprechendsten Talenten beim Basketball Bundesligisten EnBW Ludwigsburg. Zur Partie EWE Baskets Oldenburg gegen die ENBW Ludwigsburg wurde er vor kurzem zum ersten mal für den Ludwigsburger Bundesligakader nominiert. Vor nur 3 Jahren absolvierte Justin sein erstes Basketballtraining. Im Blitztempo führte sein Weg dann von der Basketballabteilung des TV Bretten ins Ludwigsburger Sportinternat. Eine fast beispiellose Geschichte die seinesgleichen sucht. Der 2,03m Hüne stellte sich freundlicherweise für unsere Interviewreihe "Amateursportler im Interview" zur Verfügung.

Du warst mit 13 bei deinem ersten Basketballtraining. Wie bist du überhaupt auf diesen Sport gekommen?

Ich habe vorher schon lange Zeit Tennis gespielt, ich wollte jedoch gerne einen Teamsport machen. Mich mit meinen Freunden treffen und nicht alleine spielen. Die Atmosphäre und den Teamzusammenhalt spüren. Meine Größe spielte natürlich auch eine Rolle, mit 13 war ich schon 1,92m groß. Deshalb bin ich zum Basketball gegangen, dort hat es mir dann auch gefallen.

1,92m ist mit 13 Jahren schon sehr groß. Wird man da manchmal nicht doof angeschaut?

Ja schon, aber das ist mir eigentlich egal.

Dein erstes Spiel hattest du gleich einen Tag nach deinem ersten Basketballtraining. Vom Badischen Landestrainer wurdest du dann gleich gesichtet?

Ja genau. Der Landestrainer hieß Thorsten Kustos, er hat mich dann zur Sichtung eingeladen. Ich bin dann zur Sichtung mit dem Gedanken ich könne dort ja sowieso nicht viel bewirken. Ich spielte ja erst seit einem halben Jahr Basketball und hatte noch überhaupt keine Praxis. Ich denke dass ich dann durch meine Größe immer eine Runde weiter gekommen bin. Der Trainer hat mich dann eingeladen in Karlsruhe zu trainieren, wo ich auch ein Jahr war.

Du bist von Karlsruhe dann nach Ludwigsburg gewechselt. Warum?

Ludwigsburg ist von der Entfernung her näher. Meine Mutter hatte dann auch den dortigen Trainer Caesar Kiersz angeschrieben. Hr. Kiersz meinte er bräuchte einen großen, das wäre perfekt und ich solle doch mal zum Probetraining vorbeikommen. Dort habe ich dann mittrainiert. Hr. Kiersz meinte er wäre begeistert von mir und ich solle doch nach Ludwigsburg wechseln, was ich dann auch gemacht habe.

Momentan bist du im Jugendinternat in Ludwigsburg. Wie kam dieser Wechsel zustande? Kam dies durch die Sichtung?

Nein nein, die Sichtung war zu diesem Zeitpunkt schon wieder 2 Jahre her. Hr. Kirsch meinte, dass Ludwigsburg demnächst ein Internat gründe und fragte ob ich Interesse hätte. Bez. des Zeitmanagement und Trainings ist das nun auch viel besser so.

Wie sieht denn ein typischer Tagesablauf im Internat aus?

Eigentlich ganz normal, man steht auf, frühstückt und geht in die Schule. Mittags hat man an manchen Tagen Individualtraining, bei Bedarf auch Hausaufgabenbetreuung. Ansonsten entweder mittags Schule oder Training.

Bleibt da überhaupt noch viel Zeit für privates oder andere Aktivitäten?

An manchen Tagen schon, es geht eigentlich ganz gut.

Dein Lebensmittelpunkt ist momentan aber der Basketball?

Ja klar, Basketball und eben Schule.

Gibt es im Internat Probleme sollten die Noten nicht stimmen und wo siehst du eher deine Stärken, beim Basketball oder in der Schule?

Meine stärken liegen im Basketball. Es ist auf jeden Fall besser einen guten Abschluss zu haben, es ist ja nicht möglich ein Leben lang Basketball zu spielen. Dies geht maximal bis 40, dann muss man sich etwas anderes suchen.

Du wurdest vor kurzem das erste mal für die EnBW Ludwigsburg in der Bundesliga nominiert. Würdest du in Zukunft gerne als Basketballprofi arbeiten?

Basketballprofi ist schon mein Traum. Als ich letztes Jahr auf das Internat kam, habe ich auch in meinen Steckbrief geschrieben dass ich in der ersten Bundesliga spielen möchte. Und jetzt dabei zu sein ist einfach ein tolles Gefühl.

Musstest du dich bei den Kollegen in der Profimannschaft erst einmal durchkämpfen oder wurdest du gleich akzeptiert?

Die waren super nett zu mir, haben gleich auf Englisch mit mir gesprochen. Gefragt wo ich herkomme, wie lange ich schon spiele etc.

Welche Position spielst du momentan?

Momentan spiele ich als Center, also eher die große Position die unter dem Korb arbeiten muss.

Ist dies deine Lieblingsposition?

Es kommt darauf an, auch ganz gut wäre es Flügel zu spielen. Dafür muss man stark in den Dribblings sein und braucht eine gute Ballbehandlung. Da muss ich leider mit der Größe etwas kämpfen, da es nicht sehr viele große Flügelspieler gibt.

Wo würdest du dich denn in 10 Jahren gerne sehen?

Ich denke schon in der Bundesliga, ich kann es mir nicht vorstellen nach Amerika zu schaffen, Amerika ist ja sozusagen die Elite des Basketballs. Vielleicht eine Nominierung zur Nationalmannschaft, aber ich sehe mich mehr in der Basketball Bundesliga.

Wurdest du schon zur Jugendnationalmannschaft nominiert?

Im November habe ich eine Sichtung für die U18-Nationalmannschaft. Dort muss ich dann, besser gesagt ich darf dort dann mit trainieren und der Trainer entscheidet dann ob ich dabei bin oder nicht.

D.h. Länderspielerfahrung hast du in diesem Sinne noch nicht?

Noch nicht. In Polen habe ich schon einmal gespielt, oder in Wien bei einem internationalen Turnier. Aber mit der deutschen Nationalmannschaft noch nicht. Ein Vorteil vom Basketball ist natürlich auch dass man Städte sieht, die man sonst noch nicht gesehen hätte.

Gibt es außer Basketball und Tennis, das du ja lange gespielt hast, noch andere Sportarten die dich interessieren?

Da man im Basketball auch Sprungkraft benötigt interessiert mich Leichtathletik ein wenig.

Apropos Sprungkraft, welche Schuhgröße hast du eigentlich?

48 1/2

Bekommt man da überhaupt noch Schuhe in einem Schuhgeschäft oder sind dies dann schon Sonderanfertigungen?

In normalen Schuhgeschäften findet man selten etwas, aber bekommen tut man die schon. Normalerweise hören die Schuhe dann bei 46 auf.

Hast du noch Kontakt zu deinem alten Verein TV Bretten? Z.B. zu Rüdiger Schaad?

Zu den Spielern besteht teilweise noch Kontakt. Zu meinem alten Trainer Rüdiger seit jetzt ca. 1 1/2 Jahren nicht mehr groß. Als ich in Karlsruhe gespielt habe, habe ich noch ab und zu in Bretten mit trainiert, seit ich in Ludwigsburg auf dem Internat bin nur sehr selten.

Glaubst du, du hast diese Saison einmal die Chance bei einem Bundesligaspiel zum Einsatz zu kommen?

Das ist im Moment wohl etwas Unerreichbares für mich. Man hat als Jugendspieler einfach nicht die Körperstatur und man kann sich nicht so gut durchsetzen. Als Jugendspieler der erst 3 Jahre spielt hat man nicht die Erfahrung, z.B. wie man sich auf dem Spielfeld verhalten muss, in welcher Situation man was machen muss. Andere spielen schon mindestens 10 Jahre Basketball und haben dadurch natürlich einen klaren Vorteil.

Du trainierst in den Ferien bei den Profis mit. Merkt man z.B. konditionell große Unterschiede?

Anfangs sehr, jedoch kommt mit der Zeit die Kondition und das Training wird lockerer.

Du hast jetzt eine Minute Zeit für ein Thema deiner Wahl Werbung zu machen:) Bitte sehr:

Man sollte für seine Ziele kämpfen und nie den Kopf hängen lassen. Immer dafür kämpfen was man erreichen möchte. Ich hätte selbst nicht gedacht dass ich es in die Bundesliga schaffe, aber es hat gereicht. Nichts ist unmöglich.

Das Interview führte Johannes Kappler. Mit freundlicher Genehmigung von Justin Konietzke - EnBW Ludwigsburg.