110 Kilometer rudern - vom Karlsruher Rheinhafen bis nach Rheinhessen zum Eicher See

Karlsruhe. (ver) - „110 Kilometer sollten es schon sein – und zwar auf dem Rhein“, das war die Vorgabe des Karlsruher Rheinklub Alemannia e. V. . Er feiert in diesem Jahr 110jähriges Jubiläum. Es folgte die schelmische Einladung von Wolfdietrich Jacobs, Organisator, Obmann und erfahrener Langstreckenruderer des Rheinklubs: „Nette kleine Jubiläums-Tagesfahrt für alle im Alter zwischen 16- und 110 Jahren, Samstag, 9. Juli 2011, Abfahrt pünktlich 6 Uhr (kein Scherz!) am Bootshaus“. Als sich dann 24 sportbegeisterte Ruderer in die Anmeldeliste eingetragen hatten, unter ihnen zwei Regattafreunde aus Rastatt und Kitzingen, war er schon etwas überrascht – mit einem solchen Ansturm hatte er nicht gerechnet.

Die Route, vom Nordbecken des Karlsruher Rheinhafens, Bootssteg der Alemannia, bis zur Steganlage des Segelclubs Eich zählt exakte 110 km. Der Eicher See gehört zur Rheinhessischen Gemeinde des Rheinland-Pfälzischen Ortes Eich. Ein Baggersee mit Rheinanbindung, 28 km nördlich von Worms.

In aller Frühe wurden fünf Gig-Übungsboote für die Mammuttagesfahrt teilweise mit zusätzlichem Schutz vor überkommendem Wasser aufgeriggert und am Steg mit dem nötigen Gepäck beladen. Die Boote: ein „Dreier mit Steuermann“, drei „Vierer-mit“ und ein „Doppelfünfer“.

Die Luft war noch klar und frisch um 6 Uhr morgens als die Boote vom Karlsruher Rheinhafen auf den großen Strom hinaussteuerten. Das Ruderrevier der Alemannia zeigte sich in schönster atmosphärischer Lichtdurchdrungenheit. Schon bald nahm dieses beeindruckende William-Turner-Licht an Intensität und Leuchtkraft zu - das Wetter war perfekt. Es gab wenig Schiffsverkehr auf dem träge dahinfließenden Rhein. Ein Ruderboot mit noch jüngeren Abenteurern musste, man kennt es noch von den Schulausflügen, gleich nach der ersten Rheinbiegung anlegen - Pinkelpause. Ansonsten kamen alle bis Mannheim gut voran. In weiser Voraussicht wurde aber hier bereits im Streckenplan auf gefährlich hohe Kreuzwellen hingewiesen. Der Rheinklub ruderte zwar unbeschadet durch, aber es schwappte schon erheblich viel Wasser in einige Boote. Zum Glück hatte man an Wasser-Pumpen gedacht. Es mussten einige Liter abgepumpt werden.

Bei einer 110 km-Tour darf man auch schon mal kurze Verschnaufpausen einlegen. Zwei Ruderboote pausierten an einem idyllisch abgelegenen Rheinstrand der rheinland-pfälzischen Rheinseite - gegenüber liegt das hessische Lampertheim. In Worms ging es unter der Nibelungenbrücke hindurch, schnurstracks zum Anlegesteg des Wormser Ruderclubs und hinein ins Hagen-Café – kleine Pause. Die erstaunte Frage eines Passanten „…und ihr kommt mit dem schönen Holzruderboot wirklich aus Karlsruhe?“, lockte ein stolzes Grinsen der Mannschaft vom Boot „Fritz Hüblein“ hervor. Das Gig-Boot aus den 50er Jahren, ein „Vierer mit Steuermann“ war als Riemenboot aufgeriggert. Die Rudererfahrung, der teilweise genauso alten Besatzung, reichte vom gut trainierten Neuling bis zum alterfahrenen athletischen Rennruderer.

Es gab schon ein entspanntes Aufatmen, als das letzte Boot der Alemannia gegen 15:30 Uhr Biblis passieren und an der Gernsheimer Fähre vorbei die Einfahrt zum Eicher See ansteuern konnte – 110 km, geschafft!

Zwei Tage später konnte man die Ruderer des Rheinklubs schon wieder im Karlsruher Rheinhafen antreffen. „Mein Rücken wird so langsam wieder, der Sonnenbrand braucht noch etwas Zeit zum Abheilen. Schlafen konnte ich auch ganz gut, bin nur einmal aufgewacht. Das war mein Glück, denn sonst wäre ich bis zum Morgen verdurstet“, so die Erinnerung eines Tour-Helden.

Mit freundlicher Genehmigung von Dietmar Kup - Karlsruher Rheinklub Alemannia